Zeitzeugen im Gespräch

Ungarn im Jahr 1956 - warum sollten wir uns heute mit den Ereignissen von damals befassen und welchen Nutzen können wir daraus ziehen?

Das Jahr 1956 und seine Geschehnisse liegt nun über 60 Jahre zurück und die Frage ist berechtigt, warum wir uns mit dem Thema der Revolution und des Freiheitskampfs aus dem Oktober und November 1956 in Ungarn beschäftigen. Die Antwort liegt in der gemeinsamen europäischen Geschichte, welche Deutschland und Ungarn sowie viele persönliche Lebensgeschichten untrennbar verbindet.

 

Der Aufstand in Ungarn hatte Auswirkungen weit über die ungarischen Grenzen hinaus und besitzt damit besondere Bedeutung für das vormals geteilte Europa. Die Ideale, für die das ungarische Volk 1956 demonstrierte und und für die es auf die Straßen zog, sind auch heute noch tagesaktuell in einem vereinten Europa. Mit den Erfahrungen der Generation, die 1956 miterlebt hat, möchten wir jungen Menschen im 21. Jahrhundert die Möglichkeit bieten, Parallelen im Kampf um persönliche Freiheitsrechte und die perspektive der Europäischen Union zu ziehen.

 

Ungarn gehörte nach dem 2. Weltkrieg zum Einflussbereich der damaligen Sowjetunion (Russland). Die sowjetische Führung bestimmte aus Moskau die Zusammensetzung der ungarischen Regierung. Sie stationierte Soldaten und Panzer im ungarischen Gebiet und bestimmte die politische und wirtschaftliche Entwicklung.

 

Nach Jahren der sowjetischen Einflussnahme gingen am 23. Oktober 1956 in Ungarn über hunderttausend Menschen auf die Straße und demonstrierten u.a. für ihre persönliche Freiheit, eine verbesserte Nahrungsmittelversorgung, die Beseitigung der Geheimpolizei sowie die Beendigung der allgemeinen sowjetischen Kontrolle. Die Demonstrationen und militärischen Auseinandersetzungen mit mehreren tausend Toten zogen sich bis zum Beginn des Novembers 1956 hin.

 

Am 4. November 1956 beendeten die sowjetischen Soldaten mit einem massiven Einsatz von Waffengewalt und Panzern die Aufstände. Die Unabhängigkeitsbestrebungen in Ungarn forderten somit eine Vielzahl von Toten und Verhafteten. In der Folgezeit flüchteten rund 200.000 Menschen aus Ungarn in den Westen.

Für das Deutsch-Ungarische Jugendwerk hat Dr. Gereon Schuch Zeitzeugen der Aufstände von 1956 interviewt. Im Gespräch mit Dr. László Fodor, Judith Gyenes und Dr. Sándor Kecskés hat er sie zu ihren persönlichen Erinnerungen an diese Tage und die Auswirkungen auf ihr Leben befragt.

 

Dr. László Fodor war Schüler in einem Gymnasium in Veszprém, Ungarn. Er schildert seine Zeit als Schüler in der Provinz und seine ersten Begegnungen mit der Revolution auf einer geheimen Fahrt nach Budapest. Nach der Niederschlagung des Aufstands floh Dr. Fodor aus Ungarn – nun berichtet er über die schwierige Zeit nach seiner Flucht und Erfahrungen in seiner neuen Heimat, Deutschland.

 

Das in deutscher Sprache geführte Interview finden Sie hier:

www.youtube.com/watch?v=xzfQP5R8fEg

Judith Gyenes hat die Revolutionstage 1956 aus einer einzigartigen Perspektive miterlebt – sie war mit dem ungarischen Verteidigungsminister, Pál Maléter, verheiratet. Trotz einschneidender Erlebnisse hat sie Ungarn 1956 nicht verlassen. Im Gespräch mit Rita Pintér berichtet Judith Gyenes über die Herbsttage 1956, als die ungarische Regierung mit der Sowjetunion über einen Abzug der in Ungarn stationierten Soldaten verhandelte.

 

Im Rahmen der Verhandlungen begab sich der ungarische Verteidigungsminister, Pál Maléter, in eine sowjetische Kaserne, wo er vom russischen Militär gefangen genommen wurde. Judith Gyenes berichtet im Gespräch auch über den persönlichen Freiheitskampf ihres Mannes, der die Gefangenschaft nicht wieder verlassen durfte. Nach einem Geheimprozess wurde Pál Maléter zum Tode verurteilt und gemeinsam mit dem ungarischen Regierungschef, Imre Nagy, 1958 hingerichtet.

 

Über ihre damaligen Ängste, Hoffnungen und ihren Lebensweg spricht Judith Gyenes in ungarischer Sprache hier: www.youtube.com/watch?v=fwAHgLamVbI

Dr. Sándor Kecskés war 1956 Medizinstudent in Budapest. Er war bei den ersten Demonstrationen vor dem ungarischen Parlament anwesend und befand sich außerdem unter den Demonstranten vor dem Radiogebäude in Budapest am 4. November 1956.

An dieser Stelle wurden die ersten Schüsse durch Geheimdienstmitarbeiter auf die friedlichen Demonstranten abgegeben. Dr. Kecskés hat in den Folgetagen vielen Verletzten als Sanitäter geholfen und ist nach der blutigen Niederschlagung nach Österreich geflohen.

 

Später entschloss er sich, seine Zukunft in Deutschland zu verbringen.

 

Seine Erinnerungen an die Ereignisse von 1956 und seinen Lebensweg während und nach seiner Flucht schildert Dr. Kecskés in deutscher Sprache hier:

www.youtube.com/watch?v=7S7vBGxaqfA

Ein kurzes Intro zu den Interviews finden Sie hier: www.youtube.com/watch?v=zXd1izmJEB

Die Interviews bieten einen persönliche Ausschnitt der Erlebnisse unserer Gesprächspartner, ihrer Hoffnungen und der großen Herausforderungen der Zeit. Ihre Äußerungen stellen lediglich die jeweils perönliche Meinung dar. Zur Einordnung der Geschehnisse in die geschichtlichen Abläufe finden Sie hier weiteres Informationsmaterial: 

 

www.mdr.de/zeitreise/weitere-epochen/zwanzigstes-jahrhundert/ungarn-aufstand-100.html

 

www.bildungsserver.de/Ungarischer-Volksaufstand-1956-4800.html

 

www.bpb.de/apuz/29785/warschau-budapest-1956?p=all

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