4. Deutsch-Ungarisches Sommercamp 2018

Besuch bei Dr. Hans-Peter Friedrich: Afrika ist eine große Aufgabe für Europa

Für ihn war es Ehrensache und Bedürfnis gleichermaßen: Dass Bundestagsvizepräsident Dr. Hans-Peter Friedrich (CSU) die Teilnehmer des Sommercamps empfing, hängt nicht nur damit zusammen, dass er Gründungsmitglied des Deutsch-Ungarischen Jugendwerks ist. "Als Bayer hat man sowieso eine engere Bindung an die Staaten Mittel- und Osteuropas", so Friedrich, "und für mich waren die Ungarn schon zu meiner Jugend diejenigen, die immer fröhlich und offen auf uns zugingen, wenn es zu Begegnungen kam, während andere aus den Staaten des Warschauer Paktes zurückhaltender waren. Wir haben das damals Gulasch-Kommunismus genannt, weil wir gesehen haben, dass die Ungarn ihre eigene Haltung gegenüber der Sowjetunion hatten". Diese Haltung zeigte sich vor allem dann, als Ungarn die Grenzen für die Flüchtlinge aus der DDR geöffnet hatte, "in dem Moment waren sich die Ungarn uns Deutschen erst recht ganz nach", schildert der CSU-Politiker seine persönlichen Erfahrungen. „Vielen ging es ähnlich. Und so schauten wir, was wir für den Austausch von jungen Leuten in beiden Ländern tun könnten. Doch ein gemeinsames Jugendwerk wie Deutschland es mit Frankreich und Polen unterhält, gab es nicht, so Friedrich. Er habe sich deshalb sofort engagiert, als vor drei Jahren auf Initiative von Maren Schoening das Deutsch-Ungarische Jugendwerk gegründet wurde. „Es leistet großartige Arbeit, und ich bin immer gerne bereit, das Jugendwerk auch aktiv zu unterstützen“, betonte der Politiker, dem Maren Schoening ausdrücklich für sein Engagement dankte.

 

Rund eine Stunde lang stand Friedrich Rede und Antwort und beeindruckte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit Nachdenklichkeit und großer Offenheit. So sagte er, dass man einfach respektieren müsse, dass die unterschiedlichen europäischen Länder unterschiedliche Erfahrungen und Einschätzungen bei bestimmten Themen hätten und empfahl seinem eigenen Land, sich gerade aufgrund der eigenen Größe und Stärke gegenüber anderen Staaten mit Maßregelungen zurückzuhalten. Im Gespräch mit den jungen Ungarn und Deutschen verwies er darauf, dass die europäischen Staaten sich auf gemeinsame existentielle Themen konzentrieren sollten: Digitalisierung, Verteidigung, Binnenmarkt und Energiepolitik. Falsch sei es, innerhalb von Europa von kleinen und großen Staaten zu reden, denn angesichts der Entwicklungen in China und den USA seien alle Staaten klein. Europa werde dann wahrgenommen, wenn es sein Gewicht als Binnenmarkt einsetze.

 

Eine große Aufgabe sieht der Bundestagsvizepräsident darin, Afrika zu stützen - und dies betreffe nicht nur jene Staaten, die dort Kolonien gehabt hätten.

 

 

Besuch im Landesarchiv Thüringen: Wo aus Nummern Schicksale werden

 

Dort, wo früher der herzogliche Fuhrpark mit sämtlichen vierbeinigen PS untergebracht war, ist heute die Heimat des Thüringischen Landesarchivs. Nicht nur die wichtigsten Dokumente des 20. und 21. Jahrhunderts werden hier sorgfältig aufbereitet und aufbewahrt, sondern auch Originale wie Schreiben von König Sigismund bis hin zu Briefen von Franz Liszt. Dr. Bernhard Post ist als Direktor des Thüringischen Landesarchivs so etwas wie das lebendige Gedächtnis der Region und seiner Geschichte. Die große Leidenschaft für seine Arbeit ist ihm deutlich anzumerken, als er die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Sonnercamps empfängt. Und er ist bestens vorbereitet: gemeinsam mit seinen Mitarbeiterinnen präsentiert er Dokumente, die den Ungarnbezug Thüringens belegen.

 

So präsentierte er eine „Ladung des Kaiser für Kurfürst Ernst und Herzog Albrecht v. Sachsen auf den 6. Januar 1474 nach Augsburg, ausgefertigt am 01. Dezember 1473 in Köln“, Absender: Matthias Corvinus, eigentlich Hunyadi Mátyá, von 1458 bis 1490 König von Ungarn. Und es war nicht etwa eine Reproduktion, sondern das Original (obere Reihe, rechtes Bild)

 

Ein Beleg aus der jüngeren Vergangenheit war ein Film über mehrtägige Feierlichkeiten anlässlich des 70. Todestages von Franz Liszt, zu denen eine ungarische Delegation empfangen wurde. Gefeiert wurde nicht exakt am Todesdatum des Komponisten, sondern im Oktober 1956 - just in der Zeit, in der in Ungarn der Volksaufstand stattfand. „Die Mitglieder der Delegation waren von Informationen abgeschnitten. Smartphones, Internet - das gab es ja alles nicht“, so Dr. Post. So umfangreich wie der Schatz an Dokumenten sind auch die Aufgaben, die im Landesarchiv anfallen: Restauration von Papieren, die durch Insektenfraß oder etwa Feuchtigkeit löchrig geworden, Archivieren und Herausgeben gesuchter Dokumente sind nur ein Teil der Arbeiten, die anfallen.

 

Für die Besucher des Sommercamps öffnete Dr. Post nicht nur die Werkstatt, sondern auch die „Katakomben“, in denen beispielsweise die Registrationskarten der Buchenwald-Häftlinge aufbewahrt werden (linkes Foto). „Anders als in Auschwitz wurden in Buchenwald die Nummern nicht tätowiert, sondern in Karten eingetragen. Wurde eine Nummer wieder frei, weil der Häftling gestorben war, wurde sie neu vergeben. Deshalb stehen auf jeder Karte oft auch drei Namen“, so Dr. Post, dem es ein Anliegen ist, die menschlichen Schicksale hinter den Nummern sichtbar zu machen. Es waren zwei bewegende und interessante Stunden, über die noch lange diskutiert wurde.

Handel und Wirtschaft: Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung. Wie können junge Ungarn und Deutsche zusammenarbeiten?

Workshop und Gespräche im Bundesminsiterium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Auswärtigem Amt und in der Botschaft von Ungarn

Gefördert durch Engagement Global mit finanzieller Unterstützung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

Diskussion die Zukunft Europas in Erfurt mit Staatssekretärin Dr. Babette Winter

Programm_Sommercamp_Teil1.pdf
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Programm_Sommercamp_Teil2.pdf
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Ausschreibung Sommercamp2018.pdf
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Mit freundlicher Unterstützung

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